MOBBING IST KEIN KINDERSPIEL -

wir schaffen echte Hilfe für Betroffene.

WIR MACHEN

MOBBING

ZUM THEMA!

mobbing zum thema machen


Arbeit nur noch Kostenfaktor?


Am 7. Oktober 2015 fand das 4. Dresdner Werteforum im art‘ otel Dresden statt. Gemeinsam mit dem DGB Sachsen und Arbeit und Leben e.V. hatte der Verein jobben ohne mobben (JOM) e.V. zum Thema „Die Unsichtbaren“ – Das neue Dienstleistungsproletariat eingeladen, und etwa sechzig Gäste waren der Einladung gefolgt.


Die Veranstaltung zum Tag der menschenwürdigen Arbeit wurde von Markus Schlimmbach, stellvertretender Vorsitzender des DGB-Bezirk Sachsen, eröffnet. Er skizzierte mit starken Worten, wie wichtig für die Gewerkschaften heute wieder der „Kampf“ um „Gute Arbeit“ geworden sei.


Angesichts von Tarifkonflikten sowie der Ausweitung prekärer Beschäftigung in Deutschland sowie der aktuellen Debatte zu TTIP, Krisen und Flucht auf der Welt, sei der Dialog zur Gestaltung unserer globalisierten Arbeitswelt notwendiger denn je.  Dem schloss sich Cordula Grüssel, Vorsitzende JOM e.V., an und hob dabei auch die Bedeutung gesunder Arbeitsbedingungen hervor. Die Arbeitgeberlobby hätte hier in den vergangenen Jahren ganze Arbeit zur Aushöhlung von Kündigungs- und Arbeitsschutz geleistet; dem gegenüber wirke die zuständige Aufsichtsbehörde wie ein zahnloser Tiger, kritisierte sie in ihrer Einführung zum Thema.


Großer Dank gilt Dr. Philipp Staab vom Hamburger Institut für Sozialforschung für seinen sehr interessanten Beitrag zum Wert sogenannter unsichtbarer Arbeit. Sehr anschaulich stellte er die wissenschaftlichen Hintergründe seiner Studie zu gesellschaftlichen Veränderungen, Digitalisierung, Industrie 4.0 und speziell deren Auswirkungen auf die Dienstleistungsbranche dar. Bei den dort vorherrschenden prekären Beschäftigungsverhältnissen geht es demnach um soziale Ungleichheit, ungleiche Verteilung, Rationalisierungsdruck und weitere Abwertung der Arbeit durch Standardisierung, Universalisierung und Verdichtung. In der modernen Dienstleistungsgesellschaft stehen sich sehr viele Menschen mit relativ viel Freizeit, aber wenig Geld für Konsum und eine Minderheit mit großem Einkommen, aber wenig Zeit, ihr Geld auszugeben, gegenüber. Die Zukunft wird daher wegen des enormen Kostendrucks die weitere Automatisierung bzw. Industrialisierung einfacher Dienstleistungen sein. Nach Einschätzung von Dr. Staab sollte von den Gewerkschaften darum der Kampf um Arbeitszeiten wieder verstärkt geführt werden. In der anschließenden Diskussion wurde dann auch die politische Subventionierung von Firmenansiedlungen in Bezug auf gute Arbeitsbedingungen hinterfragt. Offensichtlich seien stillschweigend gesellschaftlicher Vereinbarungen und sozialer Verantwortung von einem Teil der Zivilgesellschaft aufgekündigt wurden. Es herrsche vielmehr ein allgemein anerkannter gesellschaftlicher Druck zu weiterer Flexibilisierung und Mobilisierung vor.


Im Anschluss erörterte Klaus Barthel, MdB und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) in der SPD, die Handlungsmöglichkeiten der Politik, um prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu verhindern. Er mahnte zunächst den Zusammenhang an, zwischen der globalen Auslagerung prekärer Industriearbeit in den letzten Jahren, der Unterwanderung des Arbeits- und Gesundheitsschutz dort und unserer Verantwortung für die u.a. auch daraus resultierenden weltweiten Konflikte. Lücken im Arbeitsrecht offenbarten sich jetzt dahingehend auch bei uns, indem es natürlicherweise auch Auswirkungen hierzulande auf bestehende Arbeitsverträge habe, wenn diesbezüglich in der aktuellen Asylpolitik, keine Regelungen zu sinnvoller Integration von Flüchtlingen getroffen werden. Hierzulande gibt es außerdem währenddessen große ungelöste Probleme wegen totaler Überwachung und Selbstausbeutung von Arbeitnehmern und Solo-Selbstständigen durch Industrie 4.0 und damit einhergehender Digitalisierung. Die Gewerbeaufsicht muss zur Bewältigung dieser Herausforderungen wieder gestärkt, finanziell und personell besser aufgestellt werden, um ihrer Verantwortung als staatliches Kontrollinstrument gerecht werden zu können.  Mehrere Teilnehmer äußerten sich aus eigener Erfahrung dazu, dass es absolut notwendig sei, Verstöße gegen bestehende Gesetze wie den Kündigungsschutz von staatlicher Seite besser zu kontrollieren und zu sanktionieren.


Nach diesen starken Beiträgen des Vormittags folgten eine Mittagspause mit weiterem regen Gedankenaustausch und am Nachmittag die Schilderungen von Thomas Schneider vom Ver.di Landesverband Sachsen am Beispiel Amazon Leipzig zum dortigen Arbeitskampf sowie der Journalistin Caro Lobig zu ihren Enthüllungen bei Zalando. Mitarbeiter werden demnach systematisch durch subtilen Druck und gegenseitiger Bespitzelung eingeschüchtert sowie darüber hinaus auch größtenteils nur befristet eingestellt. Außerdem gibt es offenbar diverse Verstöße gegen das Arbeitszeit-, Betriebsverfassungs- oder auch Datenschutzgesetz. Ein beklemmendes Bild wurde so übereinstimmend von beiden Referenten zu den Arbeitsbedingungen im Versandhandel gezeichnet.


In der abschließenden Podiumsdiskussion war der Konsens darüber groß, dass eine Einheit von betrieblicher, gewerkschaftlicher und sozialer Arbeit besteht und nicht nur faire Einkommen sondern auch die Qualität von Beschäftigung und gesunde Arbeitsbedingungen wichtig sind. Wer heute ohne angemessenes Einkommen ist, wird später auch von Altersarmut bedroht und auf Sozialleistungen angewiesen sein. Eine große Herausforderung ist es daher für die Politik, regulierend einige Fehlentwicklungen der letzten Jahre zu korrigieren sowie bestehende Gesetzlücken im Arbeitsschutz zu schließen. Heute ist eine Teilhabe aller Menschen an den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen bereits nicht mehr gewährleistet. Es müssen dringend Antworten gefunden werden, wie die Interessen von global agierenden Konzernen und unser Sozialstaatsprinzip miteinander besser in Einklang gebracht werden können.




Thementag "Mobbing am Arbeitsplatz"

Frauen für Frauen e. V., Dresden


Am 28. April widmete sich das *sowieso* Kultur-Beratung-Bildung (Angelikastr. 1, 01099 Dresden) einen ganzen Tag lang dem Thema „Mobbing am Arbeitsplatz“. Im Rahmen von Fachvorträgen und einem Workshop hatten die Teilnehmer/innen Gelegenheit, sich mit unterschiedlichen Aspekten des Themas auseinanderzusetzen.


Mehr als jede/r neunte Arbeitnehmer/in in Deutschland ist aktuell oder durch Erlebnisse der Vergangenheit von Mobbing betroffen. Betrachtet man die massiven Folgen, die diese vorwiegend psychische Gewalt für die Betroffenen, aber letztlich auch für die Gesellschaft hat, so ist dies eine erschreckend hohe Zahl. Die Relevanz des Themas zeigte sich auch an der Zahl der Besucher/innen. Der Veranstaltungsraum des *sowieso* war mit mehr als 40 Teilnehmer/inne/n gut gefüllt.


Bei Mobbing werden Einzelpersonen oder eine kleine Gruppe von Personen durch Kolleg/inn/en oder einen Vorgesetzten über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder systematisch angefeindet, schikaniert, diskriminiert oder ausgegrenzt. Die Betroffenen geraten dadurch zunehmend in eine unterlegene Position, so dass sie in ihrem Selbstwert, ihrer psychischen Befindlichkeit und ihrer Gesundheit immer stärker geschädigt werden.


Umso länger dieser Prozess andauert, desto schwieriger ist es, diesen zu stoppen. So wurde in allen Beiträgen an diesem Tag immer wieder deutlich, wie wichtig es ist zu verhindern, dass Mobbing überhaupt erst entsteht. Hier spielen betriebliche Rahmenbedingungen wie die Arbeitsorganisation, die Gestaltung der einzelnen Arbeitsplätze, aber auch die soziale Kompetenz der Führungspersonen eine wichtige Rolle. Entscheidend ist darüber hinaus, inwieweit es in einem Unternehmen möglich ist, Konflikte in einem frühen Stadium offen anzusprechen und im konstruktiven Miteinander zu lösen.


Eröffnet wurde der Thementag mit einem einführenden Vortag in den Themenkomplex „Mobbing“ von der Dipl.-Psychologin Petra Schachtschabel (*sowieso* Frauen für Frauen e. V.). Den täglichen „Psychoterror am Arbeitsplatz“ mit all seinen Folgen schilderte die Vorsitzende des jobben ohne mobben e. V., Cordula Grüssel, im zweiten Vortrag des Tages, indem sie aus ihrem Mobbingtagebuch vorlas sowie Strategien zur Bewältigung des Erlebten benannte. Der Workshop der Teamtrainerin Petra Cornelia Erdmann nahm Möglichkeiten zur Prävention von Mobbing in (betrieblichen) Organisationen in den Blick. Welche rechtlichen Optionen die Betroffenen haben, stellte der Dresdner Fachanwalt für Arbeitsrecht Markus Kunz in seinem Vortrag „Was tun? – Mobbing unter rechtlichen Gesichtspunkten“ dar.


Die Besucher des Thementages hatten Gelegenheit, sich mit den Ursachen und Folgen von Mobbing auseinanderzusetzen und konkrete Handlungsmöglichkeiten für Betroffene, Interessenvertreter/innen und Arbeitgeber/innen zu erfahren. Dabei wurde die Veranstaltung durch die zahlreichen Wortmeldungen aus dem Publikum und den regen Austausch der Teilnehmer/innen untereinander im Anschluss an die einzelnen Vorträge bereichert.


Neben der psychologischen Beratung für Mobbing-Betroffene bieten die Mitarbeiterinnen des *sowieso* auch Fachberatungen und Weiterbildungen zur Prävention von und Intervention bei Grenzverletzungen in Institutionen an.Das *sowieso* Kultur-Beratung-Bildung ist seit 1990 innerhalb der Stadt Dresden und der Region eine wichtige Anlaufstelle für Frauen, die von unterschiedlichen Formen von Gewalt betroffen sind, darunter auch Mobbing. Die psychologische Beratung unterstützt von Mobbing Betroffene dabei, die eigene Situation zu verstehen, ermöglicht ihnen Entlastung und Stärkung. Gemeinsam mit der Beraterin werden die eigenen Handlungsspielräume ausgelotet und erweitert sowie die weiteren Schritte geplant.


Ausführlichere Informationen zu den Angeboten und Themenbereichen des *sowieso* finden Sie auf der Internetseite des Vereins unter: http://www.frauenzentrumsowieso.de




Was ist uns unsere Arbeitsfähigkeit wert?

Mit dem 2. Dresdner Werteforum für berufliche und unternehmerische Perspektive wollten wir am 6. Oktober 2013 dieses Jahr der Frage auf den Grund gehen, welchen Wert haben Unternehmenskultur und mitarbeiterorientierte Personalführung für den Erhalt von beruflicher Teilhabe und Gesundheit.

Von ganz großem Wert sind uns allen ein möglichst gutes Arbeitsklima, das gute Verhältnis zu den Arbeitskollegen und dem Chef, Anerkennung und Bestätigung. Aber leben wir diese Werte oder stellen wir sie nicht auch schnell hintan, wenn es um den eigenen Vorteil geht – selbst dann, wenn dieser nur kurzfristig sein mag?

Vor dem Hintergrund der sich rasant verändernden Arbeitswelt wird die persönliche Verantwortung für Aufbau und Erhalt von eigenen Schutzkomponenten zum Ausgleich beruflicher Belastungen immer wichtiger. Veränderte Erwerbsbiografien, geänderten Leistungsanforderungen sowie die fortschreitende Veränderung der Arbeitswelt werden zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen. Im Hinblick auf längere Lebensarbeitszeiten, geforderter Flexibilität und lebenslangem Lernen drängen aber auch Fragen der persönlichen Motivation und individuellen Werte immer mehr in den Vordergrund. Darüber hinaus bedarf es des Bewusstseins aufseiten jedes Einzelnen, eigenverantwortlich zur Sicherung seiner Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit beizutragen.

Aus Sicht der Gewerkschaften sprach Iris Kloppich, die Vorsitzende des DGB-Bezirk Sachsen zur Prävention gegen Erkrankung durch psychische Fehlbelastung. Anschließend begrüßten wir von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden zum Thema: Der Wert der Arbeitsfähigkeit - Prof. Dr. Anne-Kathrin Haubold. Den speziellen Belastungsfaktoren, die mit Mobbing verbunden sind sowie Fragen zur juristischen Einordnung widmeten sich Edmund Wojtas, DGB-Rechtssekretär gemeinsam mit dem Arbeitsrichter Bodo Kirsch. Zum Abschluss sprach Prof. Jörg Tannenhauer, stellv. Leiter Abt. Arbeit, Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft zum Schutz und Sicherheit der Gesundheit vor arbeitsbedingter psychischer  Fehlbelastung – als einer Aufgabe des Arbeitsschutzes.

Sehr deutlich wurde in allen Beiträgen, wie notwendig es ist, eine mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur - die gute Führung mit einer gelebten Kultur von Wertschätzung und Chancengleichheit, präventivem Gesundheitsmanagement sowie lebensbegleitender Lernförderung verbindet – ist.

Herzlichen Dank an dieser Stelle an alle Partner, Referenten, Unterstützer und Gäste für ihr tatkräftiges Mitwirken, das Interesse sowie die gute Zusammenarbeit!





Berufliche Fairness und mitarbeiter-
orientierte Unternehmenskultur als Erfolgsperspektive

Vorbehalte überwinden beim 1. Dresdner Werteforum


Für den Verein jobben ohne mobben (J.O.M.) e. V. sind berufliche Fairness und mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur dringende Handlungsziele der Mobbing-Prävention. Um  den Austausch bei diesem wichtigen Zukunftsthema zu fördern, lud J.O.M. daher Interessierte zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion in der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden ein. Am 09.10.12 sollte erstmals eine Plattform geboten werden, über werteorientierte Fragen im Berufsalltag zu informieren und zu diskutieren. Prominenter Teilnehmer der Podiumsdiskussion war Thomas Jurk, Mitglied des Sächsischen Landtages und ehemaliger Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit.


Um das Ergebnis des Abends einmal vorweg zu nehmen, bestand wohl der größte Gewinn in der Moderation des Journalisten Uwe Böttger, der in der Diskussion unvoreingenommenen die verschiedenen Aspekte psychischer und sozialer Belastungen im Berufsalltag ansprach. Dabei ließ er auch speziell das Thema Mobbing nicht außen vor. Uwe Böttger, selber Geschäftsführer der Firma Format Media GmbH und Betreiber des privaten Fernsehsender DRESDENEINS, konnte während der zweistündigen Veranstaltung durch seine offene Gesprächsführung schnell klarmachen, wie einfach es im Grunde wäre, Mobbing als eine der schwersten Beeinträchtigungen für Betroffene und Unternehmen zu thematisieren und somit möglicherweise zu verhindern.


Thomas Jurk eröffnete den Abend vor ungefähr vierzig Besuchern mit einem Impulsvortrag, in dem er anschaulich und mit sehr persönlichen Worten für den Erhalt und die Durchsetzung von Arbeitsrechten und Werten im Arbeitsalltag sprach. Er ging in seinem Referat auch auf die Gründung des „Sächsischen Präventionsnetzwerkes Psychische Fehlbelastungen, Konfliktsituationen und Mobbing am Arbeitsplatz“ ein. Dieses wurde als Allianz für den Arbeitsschutz im Jahr 2004 unter seiner Führung als Wirtschaftsminister von Sachsen gegründet. Und bereits damals wurde schnell erkennbar, dass Mobbingaufklärung erforderlich ist. Thomas Jurk brachte darüber hinaus zum Ausdruck, dass durch fehlende Kontrollmöglichkeiten die Durchsetzung der dazu durchaus existierenden gesetzlichen Regelungen erschwert wird. Die Allianz sollte darum auch als Anlaufpunkt für BeraterInnen, Juristen und Psychologen dienen. Zu Beginn der Arbeit stand hierzu noch ein Budget in Höhe von 200.000 Euro zur Verfügung - dem gegenüber stehen in diesem Doppelhaushalt gerade mal noch 30.000 Euro.


Außerordentlich interessant war anschließend die Vorstellung der Betriebsratsvorsitzenden der IKEA-Niederlassung in Dresden, Regine Posern, die lebhaft über ihre Arbeit sprach und berichtete, welche Möglichkeiten ein Betriebsrat zur Unterstützung von Mitarbeitern hat. Sie stellt in ihrer täglichen Praxis einen tatsächlichen Zusammenhang zwischen erhöhten Krankenständen, Arbeitsverdichtung und hohen Belastungen sowie Konflikten und Stress fest. Dies war dann auch eine wunderbare Überleitung zu unserem nächsten Gast, Frau Prof. Dr. Anne-Kathrin Haubold von der HTW.  An der HTW Dresden befassen sich zwei Professuren für Human Resource Management mit Personalwesen bzw. Arbeitsschutz, weil das hier weiterhin als wichtiger Bestandteil eines BWL-Studiums für die Ausbildung zukünftiger Führungskräfte und Personalentwickler angesehen wird. Den Studenten ein Bewusstsein für ihre menschliche Verantwortung mitzugeben, darin sieht Prof. Dr. Haubold ihre Aufgabe und die Schnittstelle zu gelebter Unternehmenskultur, Mobbing-Prävention sowie unternehmerischem Erfolg.


Im Anschluss sollte zur Sprache kommen, welche Chancen mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur eröffnet und was gute Führung ausmacht und dies wurde sowohl mit den Podiumsgästen wie auch mit dem Publikum ausgiebig diskutiert, wobei der Fülle verschiedener Anregungen und Gedanken jedoch innerhalb zweier Stunden nur sehr begrenzt entsprochen werden konnte. Diese reichten von Globalisierung, unserem Konsumverhalten, der persönlichen Eigenverantwortung, Work-Life-Balance bis hin zu der Frage, warum Erwerbsarbeit der alleinige Maßstab gesellschaftlicher Anerkennung ist. Darüber hinaus wird sicher eine gewinnbringende Perspektive das konkrete Gesprächsergebnis einer weiteren Verabredung zwischen Prof. Dr. Haubold und der BR-Vorsitzenden über eine umfassende Arbeitsplatzanalyse zur Belastungssituation sein.


Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum waren in diesem Zusammenhang, ob es nicht Mobbing schon immer gegeben habe und inwiefern es überhaupt vermeidbar sei, ob die Gesetzgebung dazu ausreichend oder bereits überreguliert ist, wie die Beteiligung der Berufsgenossenschaften und Agentur für Arbeit aussieht und ebenso, dass Mobbing im Sinne von psychischer Gewalt als Straftat eingestuft werden sollte. Dazu schätzte MdL Thomas Jurk ein, die Situation sei sogar für Richter und Juristen schwierig zu bewerten, weil es sowohl an den notwendigen Regelungen und dementsprechenden  Weiterbildungsmöglichkeiten als auch mit den folgerichtig fehlenden Urteilen der Arbeitsgerichte gleichzeitig der erforderliche Handlungsbedarf fehle.


Zum Abschluss wurde von Uwe Böttger in seiner Zusammenfassung die Frage an das Podium gerichtet, ob sein Eindruck richtig sei, dass mehr Öffentlichkeit und differenzierte Darstellung zu psychische Belastungen, Mobbing und Burnout den Betroffenen helfen würde. Frau Prof. Dr. Haubold bestätigt dies und sieht einen Weg darin, nachwachsende Führungskräfte frühzeitig zu sensibilisieren. Frau Posern rät Betroffenen, offen über ihre Probleme zu sprechen und Cordula Grüssel bestätigt, wie wichtig es ist, sich rechtzeitig  Hilfe zu holen. In Unternehmen sollten neutrale Konfliktberater oder Mobbingbeauftragte für Betroffene erreichbar sein und ausdrücklich wird von Prof. Dr. Haubold in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass diese Personen unabhängig und keine Führungskräfte mit Personalverantwortung sein sollten. Für Thomas Jurk ist darum eine wesentliche Schlussfolgerung, dass Betroffene offen über ihre Erfahrungen sprechen können - ohne weitere berufliche Nachteile befürchten zu müssen und auch hier braucht es wohl noch bessere Regelungen und Anerkennung, um im betrieblichen Rahmen Weiterbildungsmöglichkeiten für Betriebsräte und Gewerkschafter durchsetzen und wahrnehmen zu können.


Daher soll nach einem erfolgreichen Auftakt das Ziel für eine ähnliche Veranstaltung im kommenden Jahr sein, endlich auch ein Unternehmen zur Beteiligung zu gewinnen und vielleicht einmal die juristische Seite zu vertiefen. Sehr anschaulich sind eben diese Probleme der ansonsten weitgehend gesellschaftlich vorherrschenden Informationsdefizite dazu - gerade auch während der Vorbereitung der diesjährigen Diskussion - zum Vorschein gekommen. Weitverbreitete Berührungsängste sowie Vorbehalte stellen offenbar immer noch ein großes Hindernis für eine klare Positionierung dar und dies selbst dort, wo bereits nach hohen ethischen Standards gehandelt wird.




Netzwerk der Mobbingselbsthilfegruppen


Welttag für menschenwürdige Arbeit am 07.10.2012


„Wir werden gesehen“

Aufruf des Netzwerkes der Mobbingselbsthilfegruppen


Unter diesem Motto ruft das international tätige Netzwerk der Mobbing-Selbsthilfegruppen zu bundesweiten Aktionen anlässlich des „Welttages für menschenwürdige Arbeit“, auf. Ins Leben gerufen hat dies die „International Trade Union Confederation (ITUC)“, die sich seit 2008 weltweit für eine menschenwürdigere Arbeit einsetzt. Hier wollen wir uns anschließen.


Deshalb finden an diesem Tag weltweit die vielfältigsten Aktionen statt, an denen sich die unterschiedlichsten Gruppierungen und Initiativen beteiligen können.


Unser Ziel ist es, eine weltweite Aufmerksamkeit und Sensibilisierung zu dem Thema Mobbing zu erreichen, denn in unserer globalen industrialisierten Welt wird die menschenwürdige Arbeit zu einem immer größeren und wichtigerem Thema.


Alle interessierten Gruppen, Selbsthilfegruppen, Vereine, Institutionen wie auch Einzelpersonen können sich an der Aktion jeweils in ihrem Ort beteiligen. Dabei spielt es keine Rolle, wie groß oder klein Ihr Engagement, Geldbeutel, Zeit- wie auch personellen Möglichkeiten sind und welche Um-setzungsidee sie oder ihre Gruppe hat. Jeder soll und kann sich so enga-gieren, wie es zu ihm oder der Gruppe passt, denn dann haben wir unser gemeinsames Ziel erreicht, nämlich


„Wir werden gesehen!“


Weitere Informationen finden Sie in Kürze auf unserer Homepage:


www.netzwerk-der-mobbingselbsthilfegruppen-deutschland.org 


oder nehmen Sie direkt Kontakt mit uns auf:


Koordinationsleitung: Anka Kampka, An der Oberhecke 21, 55270 Sörgenloch, T: 06136-7608835, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch.




15. Hamburger Workshop 2012


Nicht nur das Thema "Klärungsbeauftragte" stand am 28. April anlässlich des 15. Hamburger Workshops "Konfliktlösung in Betrieben" im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, ob öffentliche Einrichtungen heutzutage mehr auf Wirtschaftlichkeit achten müssen. Diese Thematik soll zukünftig auch im Rahmen der Vorlesungsreihe "Konflikt- und Motivationsforschung am Arbeitsplatz" vertieft werden (Näheres jeweils unter www.klimaev.de).


Diesmal wurde der Schwerpunkt der Tagung – in Abweichung der „Tradition“ – die Vermeidung betrieblicher Konflikte bzw. ihrer rechtzeitigen Bereinigung gesetzt und zunächst über Art und Inhalte von Konflikten diskutiert. Die Teilnehmenden kamen aus unterschiedlichen sozialen Bereichen, die Mehrzahl  ehemals Betroffene, die in Beratertätigkeiten ehrenamtlich wirken. Somit kam es wieder zu der Mischung aus Betroffenen und Begleitern und Beratern, was in diesem Jahr zu keinerlei Problemen führte – im Gegenteil, schon sehr früh entspann sich eine rege Diskussion. Hauptbestandteil der Ausführungen von Dr. Alfred Fleissner (1. Vorsitzender Klima e.V.) bildete ein „Entwurf einer Musterbetriebsvereinbarung zur Ernennung von Klärungsbeauftragten“, zusammengestellt durch ein kleines Expertenteam, das seit Januar 2012 als „CON-W!NS“ arbeitet (s. www.con-wins.de oder www.klimaev.de). Neben einigen semantischen Diskussionen über den Begriff „Klärungs…“, die bei einigen in Richtung Sauberhaltens von Trinkwasser gingen, wurde doch sehr schnell der Kern herausgearbeitet: Klärungsbeauftragte sollen präventiv eingesetzt werden, klärend wirken, in der Bereinigung von Kommunikationsstörungen (Missverständnissen) und nicht zuletzt moderierend wirken können – insbesondere im Vorfeld stärker werdender Konflikte. Die abschließende Diskussion machte deutlich, dass die Teilnehmenden als Multiplikatoren für diese Thematik aufgeschlossen sind.


Hendrik Starfinger , Gesellschaft für Arbeits- und Sozialrecht e. V.

Geschäftsstelle Dresden, Antimobbing

c/o ver.di Bezirk Dresden – Oberelbe

Cottaer Straße 2, 01159 Dresden


Die Gesellschaft für Arbeits- und Sozialrecht e. V. ( GefAS ) ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein, dessen Mitglieder, Beschäftigte und eine Vielzahl ehrenamtlich Tätiger sich  für Menschen einsetzen, die in unserer Gesellschaft unter komplizierten sozialen Bedingungen leben und ihre Probleme nicht oder nur teilweise selbständig lösen können.


Hauptgeschäftsstelle und Vorstand

Hegelstraße 22, 15517 Fürstenwalde/Spree


www.gefas-ev.de


KLIMA e.V.
Gesundheitszentrum St.Pauli
Seewartenstraße 10, Haus 4, 1. Etage links
20459 Hamburg


Der Verein KLIMA ist für Menschen gegründet worden, die aufgrund unzulässiger Methoden der Auseinandersetzung am Arbeitsplatz ("Mobbing") persönlich gravierende negative Erfahrungen gemacht haben, als Folge davon gesundheitlich geschädigt, arbeitslos oder auf andere Weise sozial isoliert worden sind.




Nach dem Workshop ist vor dem Workshop


Nach der ersten Veranstaltung von September 2011 in Wiesbaden – Nordenstadt unter der Schirmherrschaft von Dr. Alfred Fleissner (Zentrum für Psychosoziale Medizin am UKE Hamburg und Vorsitzender von KLIMA e. V. Hamburg) findet der der nächste Workshop des Netzwerkes der Selbsthilfegruppen Deutschland zum „Schutz vor Mobbing“ am 04.02.2012 statt. Ein Thema hierbei ist immer, wie es besser gelingen kann, Mobbing zum öffentlichen Thema zu machen.


Mobbing und Bossing sind Themen des Arbeitsschutzes; die Diskussionen dazu erschöpfen sich jedoch seit über zehn Jahren regelmäßig auf den Nebenschauplätzen der  Begriffsdefinitionen, Bedeutungen, Häufigkeit, Verschulden usw. oder werden ganz gezielt immer wieder dahin gesteuert. In diesem Zusammenhang herrscht vermeintlich weder Einigung zu den verschiedenen Begrifflichkeiten, noch über dementsprechende Zuständigkeiten und darüber hinaus werden die Probleme von den zuständigen Behörden aus ihrer Öffentlichkeitsarbeit weitestgehend ausgeklammert.


Mit der gleichfalls ausbleibenden klaren gesetzlichen und politischen Positionierung, wird die vorherrschende polemische Meinungsbildung dazu nur noch bestärkt. So muss Mobbing für Außenstehende zwangsläufig als das unsympathische Problem einer vermeintlichen Randgruppe erscheinen. Allerdings gibt es demgegenüber aus verschiedenen Quellen der Vergangenheit, beginnend mit dem „Mobbing-Report - Eine Repräsentativstudie für die Bundesrepublik Deutschland.“ aus dem Jahr 2002 die Erkenntnis, dass Mobbing für eine große Anzahl Menschen ein sehr reales und bedrückendes Thema ist und es das typische Mobbing-Opfer nicht gibt. Und doch bleibt eines der wesentlichsten Probleme für Betroffene bis heute; ihre Angst vor Stigmatisierung aufgrund der bisherigen Darstellung und Wahrnehmung in der Gesellschaft!


„Dass Gewalt, Mobbing und Belästigungen an vielen Arbeitsplätzen in Europa zunehmend üblich sind, geht aus einem neuen Bericht der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) hervor. Die Reaktion von Unternehmen und nationalen Regierungen darauf wird aber vielfach als unangemessen empfunden.“ (Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, 2010: „Gewalt und Belästigung in Europa auf dem Vormarsch“. URL: http://osha.europa.eu/de/press/press-releases/workplace-violence-and-harassment-on-the-increase-in-europe-1 [Stand: 03.09.2011]


Dies ist die  Einleitung einer Pressemittelung von Anfang 2010 über die Ergebnisse einer bereits 2005 abgeschlossenen Studie, die allerdings bezeichnenderweise noch nicht in  deutscher Sprache vorliegt. Veröffentlichungen in den Medien gehen dazu häufig über die Verharmlosung eines sogenannten „Phänomens“ nicht hinaus. Und auch trotz des im Arbeitsschutz allgemein gültigen Grundsatzes; der Verhältnisprävention vor der Verhaltensprävention, werden die meisten Maßnahmen zur Stressprävention den betroffenen Arbeitnehmern in die Verantwortung gegeben.  „Mobbing zum Thema machen.“ ist darum immer mit der Frage verbunden; mit welchen Zielen und geeigneten Methoden dies von den vorhandenen verschiedenen Beteiligten und ihren Interessenvertretern bereits getan wird, und wo unter Umständen gegenzusteuern oder aufzuklären ist. Oder auch; was ist zu ändern, um die Akzeptanz für das Problem und die Betroffenen zu erhöhen sowie ihre Situation zu verbessern?


Zum Vergleich; im Privat – Recht ist es unumstritten, dass der Verursacher dem Opfer, den entstandenen Schaden ersetzen muss. Im Arbeitsrecht gilt dieses Verursacher – Prinzip bisher nicht. Die Arbeitgeber treten ihre Haftpflicht an die Berufsgenossenschaften in Form der gesetzlichen Unfallversicherung ab und die Berufsgenossenschaften bestimmen, wer und ob jemand einen Schaden erlitten hat oder ob sie zuständig sind.  Während Arbeitgeber und die Berufsgenossenschaften natürlicherweise kein Interesse, an einer Änderung der derzeitigen Situation haben und dabei zur Argumentation u. a. auch immer wieder überholte Stresstheorien – nach denen Beschäftigte als passive Akteure, ohne Betrachtung der Wechselwirkung mit der Arbeitsumgebung angesehen werden – anführen,  werden darüber hinaus in diesem Zusammenhang neuerdings auch Begriffe wie der sogenannten Schlechtleister und Low-Performer geprägt.


Darum sind mit „Mobbing zum Thema zu machen“ zunächst die Fragen nach Vernetzung, Gemeinsamkeiten, Zielen und  Prioritäten zu beantworten, um anschließend eine einheitliche, kontinuierliche  und authentische Umsetzung erarbeiten zu können. In weiteren Schritten kann über geeignete Methoden gesprochen werden; wie beispielsweise


  • wirksamer Veranstaltungen, die Interesse und Sympathien wecken
  • kleine lokale und überregional abgestimmte Aktionen
  • Gestaltung von positiver Kommunikation sowie strategischer Öffentlichkeitsarbeit
  • Sicherstellung von Kontinuität
  • Neue Ideen, andere Plattformen, Internet, Finanzierung etc., etc.!